Gab es einen Moment, an dem du realisiert hast, dass du finishen wirst?

Als ich den fiesen Krampf im Oberschenkel nach Kilometer 31 besiegt hatte – ich bin einfach vor ihm davongelaufen – hatte ich ein gutes Gefühl. Dieses Gefühl verstärkte sich, als ich mich mit dem Umstand arrangiert hatte, dass bei der Wärme während des Laufes eine Zielzeit von unter vier Stunden nicht mehr realistisch für mich ist. Ich habe gespürt, dass ich körperlich fit für das Finish bin – ich musste nur meine Gedanken davon überzeugen, dass 42,195 Kilometer zu schaffen sind.

Hast du zwischendurch ans Aufgeben gedacht?

Ja, es gab diese kleinen, bösen Momente, als ich gedacht habe: „Wieso tust du dir das an?“ Es ist mir aber gelungen, das kleine Teufelchen von der Schulter zu schubsen und die Zuversicht und den Optimismus gewinnen zu lassen. Dabei hat mir auch das fantastische Publikum in Rotterdam geholfen.

Gibt es eine Anekdote oder irgendetwas, das dir nicht mehr aus dem Kopf geht?

Das Publikum in Rotterdam war von Anfang bis Ende einfach nur klasse. Die Anfeuerung der kleinen und großen Besucher neben der Strecke, das frenetische Anfeuern unter Nennung meines Namens („Marc, Go, Go, Go“ oder „Marc, Success!“) und die kleinen Snacks, die mir angereicht worden sind, als die Kohlenhydrat-Speicher leer gewesen sind. Das war klasse. Und noch nie schmeckte mir ein Weingummi und ein Cracker so gut wie zwischen Kilometer 36 und 42 🙂

Sehr hilfreich ist auch das Kind bei Kilometer 19 gewesen, das mir eine Halbliterflasche Wasser in die Hand gedrückt hat, als die Sonne am Himmel immer kräftiger geworden ist. Damit bin ich die nächste Dreiviertelstunde erfrischt gelaufen und konnte mir zwei Verpflegungspunkte und den Andrang sparen.

Sollte deiner Meinung nach jeder Läufer einmal die Erfahrung machen, einen Marathon zu laufen?

Ja, wenn sie oder er das möchten 🙂 Ein Marathon läuft sich nicht mal eben so. Dazu zählt eine gründliche, anstrengende und zeitintensive Vorbereitung, die – zumindest bei Neulingen – mindestens drei, wenn nicht sogar vier Monate umfasst. Vier Trainingseinheiten pro Woche bei Wind und Wetter, Sonne, Regen und Schnee am Wochenende und unter der Woche sind nicht nur ein zeitliches Investment, sondern gehen an die Substanz. Die Belohnung ist allerdings grandios.

Während der Vorbereitung lernst du viel über dich und deinen Körper kennen, weißt die Rücksicht deines Partners und deiner Familie zu schätzen, die dich unterstützen und spürst auch, wie gut laufen auch dem Geist tut – insbesondere bei den langen, einsamen Läufen am Wochenende.

Wenn du nach 42.195 anstrengenden, lehrreichen und auch unterhaltsamen Metern mit zahlreichen Gänsehaut-Momenten beim Wettkampf über die Ziellinie läufst, dann ist das ein unbeschreibliches, unvergessliches Gefühl, das dich für alle Entbehrungen der vergangenen Monate belohnt. Du bist jetzt ein Marathoni.