Gibt es einen Moment im Rennen, bei dem du gewusst hast, dass du finishen wirst?
Spätestens bei Kilometer 35, als die Videoleinwände kamen und ich meine Liebsten gesehen habe, die mir von zuhause aus Mut zugesprochen haben. Da habe ich echt noch einmal Power bekommen. Zuerst war ich total überrascht, weil ich nicht damit gerechnet habe, obwohl ich von der Aktion gewusst habe. Keine zwei Sekunden später bin ich in Tränen ausgebrochen und als ich mich dann wieder gefangen hatte, wusste ich, dass ich auch die letzten sieben Kilometer noch packe – ein unglaubliches Gefühl von Dankbarkeit, Mut und Ehrgeiz.
Hast du zwischendurch ans Aufgeben gedacht? Wenn ja, wie hast du es geschafft, weiter zu laufen?
Ja, kurz vor der Halbmarathon-Marke ging es mir zum ersten Mal schlechter. Als ich dann wenige hundert Meter später meine Mama am Straßenrand gesehen habe, hat mir das wieder Mut gegeben. Bei Kilometer 25-28 war ich dann echt der festen Überzeugung, dass ich es nicht schaffen werde und wollte abbrechen. Irgendwie habe ich es dann aber noch einmal probiert und letztendlich ja auch geschafft … wie, das weiß ich nicht. Ich bin einfach wieder gelaufen.
Spul mal neun Monate zurück. Würdest du noch einmal mitmachen? Wirst du noch einen zweiten Marathon laufen?
Ich würde auf jeden Fall noch einmal mitmachen. Die Gruppendynamik, die durch #DeinErsterMarathon aufgekommen ist, hat mich richtig gut unterstützt. Ich bin mir nicht sicher, ob ich auch alleine so gut auf meinen ersten Marathon vorbereitet gewesen wäre. Der zweite Marathon ist bereits angemeldet. Im September heißt es #beatberlin42 🙂
Sollte deiner Meinung nach jeder Läufer die Erfahrung, einen Marathon zu laufen, einmal machen? Was würdest du Bewerbern fürs nächste Mal raten?
Ich kann nicht sagen, dass jeder Läufer diese Erfahrung einmal machen sollte, da das jedem selbst überlassen ist. Viele Läufer reizt es auch einfach mehr, ihre Pace auf kurzen Distanzen zu verbessern, als einen Marathon oder einen Halbmarathon zu laufen. Ich persönlich würde aber jedem, der gerne mal einen Marathon laufen möchte, dazu raten, es wirklich zu tun. Dieses Gefühl, solch eine Distanz gelaufen zu sein, ist unbeschreiblich. Ich war ganze fünfeinhalb Stunden unterwegs und bereue im Nachhinein keine einzige Sekunde. Das Gefühl, wenn du die Ziellinie siehst, das Gefühl, ein paar Tage danach, das bringt mich immer noch zum Heulen. Macht es! Ihr schafft das!
Raten würde ich Bewerbern, die langen Trainingsläufe wirklich zu machen. Mein lieber Trainer Daniel hat mir Monat für Monat super Trainingspläne zusammengestellt und ich habe ehrlich gesagt nur einen einzigen 30-km-Lauf vor dem Marathon gemacht (sorry, Daniel :D). Es waren zwar viele Halbmarathons dabei, aber ich wäre mit Sicherheit einfacher durch den Marathon gekommen, wenn ich einige Male öfter die 30-km-Läufe, so wie sie im Plan standen, im Training gelaufen wäre. ABER, ich hab’s auch so geschafft. Marathon-Training frisst Zeit und Nerven … aber es lohnt sich!