Bei mir war noch beim Start völlig unklar, ob ich überhaupt einen Kilometer laufen konnte, schließlich war der Muskelfaserriss in meiner Wade noch nicht verheilt. Gut getaped ging ich an den Start und spürte glücklicherweise nichts. Nach wenigen Kilometern hatte ich Vertrauen in das lädierte Bein und war mir daher trotz meines Trainingsabbruchs zwei Monate vor dem Start ziemlich klar, dass ich finishen werde – aufgeben ist für mich niemals eine Option. Nicht gedacht hätte ich allerdings, dass es so anstrengend werden würde. Schon ab Kilometer 23, 24 wurde es sehr anstrengend und spätestens bei Kilometer 30 war die Belastung kaum noch zu ertragen, ich hatte Schmerzen von den Zehen bis zur Hüfte und irgendwann kräftemäßig große Probleme, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Ich hatte mir allerdings das Ziel gesetzt, durchzuhalten, und davon hätte mich auch nichts mehr abhalten können. Mit aller Gewalt wollte ich heute meinen ersten Marathon finishen.

Wenn ich an den Anfang zurückdenke und überlege, ob ich das Programm noch einmal durchlaufen würde, ist die Antwort ein klares Ja. Ich hatte sicherlich den Trainingsaufwand und -schmerz unterschätzt und mir mehr Ruhezeiten gewünscht, bin aber davon überzeugt, dass in der kurzen Zeit nur ein intensives Programm helfen kann. Neun Monate sind außerdem eine Zeit, in der man sich vielleicht gerade noch genug motivieren kann, intensiv dran zu bleiben. Jetzt, wo ich einmal ein gewisses Maß an Fitness erreicht habe, möchte ich diese gerne halten und kann mir gut vorstellen, noch einige Marathons zu laufen.

Ist das was für jeden? Ich bin sicher davon überzeugt, dass es fast für jeden mit ausreichend langer Vorbereitung und Motivation möglich ist, einen Marathon zu finishen. Empfehlen würde ich es so aber nicht. Der Zeitbedarf – und das für einen einzigen genau definierten Tag – ist so enorm, dass zumindest ich Laufen hierdurch manchmal nicht mehr als Spaß, sondern nötige Belastung wahrgenommen habe. Und das ist bei einem Hobby doch eher schade. Also: Wer möchte, kann und sollte mitmachen, aber zwingen sollte sich zu einem Marathon aus meiner Sicht niemand. Jedem würde ich allerdings raten, frühzeitig und konzentriert zu trainieren, um auch zwischenzeitliche Ausfälle überstehen zu können, ohne das Gesamtziel zu gefährden.