Gab es einen Moment, an dem du realisiert hast, dass du finishen wirst?

Ich denke so ab Kilometer 35 war ich mir langsam sicher, dass ich finishen werde – denn auch wenn ich nur noch gegangen wäre, hätte ich es bis ins Ziel geschafft. Wie sich das anfühlte, weiß ich nicht, denn ich war zu sehr damit beschäftigt, meinen Laufrhythmus zu halten und das fühlte sich schon ziemlich fies an. So im Nachhinein kann man es mit einer Geburt vergleichen: Zum Ende hin wird es immer schlimmer bis unerträglich, doch schon nur wenige Minuten nach dem Zieleinlauf findet man es nur noch voll super und möchte das alles unbedingt nochmal erleben. Glücksgefühle pur!

Hast du zwischendurch ans Aufgeben gedacht?

Nee, überhaupt nicht. Ich merkte zwar schon recht früh, so ab Kilometer 20, dass ich leider doch nicht so schnell laufen kann wie geplant, aber ans Aufgeben habe ich nie gedacht. Da bin ich einfach ein Dickkopf und da konnten mich ein paar schmerzende Waden auch nicht von meinem Ziel, DEM Ziel, abbringen. Es ist aber unglaublich wichtig, auf seinen Körper zu hören, also ruhig mal langsamer machen. Beim ersten Marathon muss man sich wirklich nicht übernehmen, da zählt einfach mal diese Erfahrung für Körper und Geist.

Gibt es eine Anekdote oder irgendetwas, das dir nicht mehr aus dem Kopf geht?

Oh ja, vorweg muss ich erwähnen, dass der Marathon in Rotterdam überhaupt nicht langweilig werden kann, weil einfach überall Menschen stehen, die dich anfeuern, mit Pauken und Trompeten, mit Händen und Füßen und mit so viel Freude, dass man sein Grinsen gar nicht abstellen kann. Aber einmal, als es so richtig hart wurde, also so ab Kilometer 38, als ich immer wieder gehen musste, kam ich an einer Gruppe Menschen vorbei, die mir wieder wohlwollend zuriefen, dass ich es gleich geschafft hätte, ich solle dranbleiben. Sie haben das so toll gemacht, dass ich einfach wieder meinen Laufrhythmus aufnehmen musste und dann jubelten sie hinter mir los, als wäre es das Größte überhaupt, dass ich jetzt wieder laufe. Das war schon ziemlich cool.

Sollte deiner Meinung nach jeder Läufer einmal die Erfahrung machen, einen Marathon zu laufen?

Wir sind doch alle so unterschiedlich und haben unsere eigenen Grenzen, an denen wir vielleicht hin und wieder kitzeln. Das finde ich wichtig als Erfahrung. Aber natürlich ist es schon was Besonderes, den ersten Marathon offiziell zu finishen und ich denke, jeder ambitionierte Läufer möchte das gerne einmal erleben. Auch wenn er nur kurz daran denkt, dann sollte er es versuchen, Schritt für Schritt mit dem Ziel vor Augen 😉