Gab es einen Moment, an dem du realisiert hast, dass du finishen wirst?

Dass es mit dem Ankommen klappt, wenn nichts Gravierendes passiert, war mir relativ früh klar. Dafür hat man in der Vorbereitung auch viel getan und sich die Grundlagenausdauer geholt. Daher war mir während des Laufs das Thema finishen nicht so präsent. Eher die Frage: „Wie werde ich finishen?“

Hast du zwischendurch ans Aufgeben gedacht?

Nein, aufgeben war nie eine Option. Leider hat sich bei mir ab Kilometer 32 das Rennen komplett verändert. Von einer Sekunde zur nächsten hatte ich immer wiederkehrende Wadenkrämpfe auf beiden Seiten. Sie gingen nicht mehr weg, und so konnte ich kein vernünftiges Tempo mehr laufen.
Motiviert, nicht abzubrechen, hat mich sicherlich der Zieleinlauf und die Gedanken daran, wofür man die letzten Monate geschuftet hat.

Gibt es eine Anekdote oder irgendetwas, das dir nicht mehr aus dem Kopf geht?

Das Rennen geprägt hat sicherlich der Song „You’ll never walk alone“. Vor dem Rennen bei strahlenden Sonnenschein sich einfach auf den Lauf freuen, auf den man Monate hingearbeitet hat. Tausende Läuferinnen und Läufer um einen herum, fast alle singen mit, liegen sich im Arm oder sind alleine völlig vertieft. Da hatte ich schon Gänsehaut.

„Go, go, go, Andreas!“, hörte ich bei Kilometer 35 jemanden schreien. Das konnte bei dieser Lautstärke kein Zuschauer sein. Ein Blick nach vorne auf die Videoleinwand und ich sah die Supporter Wand.
Unser Logo von Dein Erster Marathon, zwei- bis dreimal „Go, Andreas!“ und dann noch unser erstes Gruppenfoto vom September 2017. Im Hintergrund lief – wie soll es anders sein? – „You’ll never walk alone“.
Da musste ich mir spontan ein, zwei Pollen aus dem Auge reiben.

Im Schilderwald sind mitunter sehr viele kreative Dinge bei: „What took you so long?“ oder „You can – end of Story“ oder „Hurry up – The Beer is getting warm“.

Sollte deiner Meinung nach jeder Läufer einmal die Erfahrung machen, einen Marathon zu laufen?

Ob es jeder machen sollte, weiß ich nicht. Es ist ein Trainingsaufwand, der einen an die Grenzen des zeitlich möglichen bringt. Die gesundheitliche Grundvoraussetzung muss gegeben sein, und vor allem muss es Spaß machen. Es ist sicherlich die Königsdisziplin, und wer schon leicht und locker die 10 Kilometer läuft oder souverän einen Halbmarathon finishen kann, sollte es versuchen.

Wie hieß doch gleich dieser Wettbewerb #DeinErsterMarathon oder?